Geschichten und Legenden im Ratinger Brauhaus

Der Ratinger ist ein geselliges Wesen. Im traditionsreichen Ratinger Brauhaus lässt sich das aus nächster Nähe erleben. Wo könnte man sich auch gemütlicher mit einem frisch gezapften Ratinger Alt über das Stadtgeschehen auf dem Laufenden halten? Und wo fände man ein dankbareres Publikum für die eigenen Neuigkeiten, Dönekes und Histörchen?

Die Fugger im Brauhaus

Von den Histörchen zur Historie ist es im Brauhaus allerdings nur ein kleiner Schritt, schon allein, weil die Gaststätte selbst ein höchst geschichtsträchtiger Ort ist. Am 1. Februar 1933 von Theo Poensgen unter dem Namen „Zum treuen Husar“ gegründet, fühlten sich bald schon die Bürger und Brauchtumsfreunde in der urigen Gaststube heimisch. Als Mitte der fünfziger Jahre nebenan noch der Spiegelsaal erönete, wurde das Haus an der Bahnstraße endgültig zum wichtigsten Schauplatz des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Doch der Besuch des traditionsreichen Brauhauses kann den aufmerksamen Gast auch noch viel weiter in die Vergangenheit zurückführen. Seit Kurzem nämlich steht im hinteren Teil der Gaststube, dem früheren Spiegelsaal, ein antiker Kachelofen,Wenn dieser Ofen …Geschichten und Legenden im Ratinger Brauhaus den gleich auf mehrfache Weise der Hauch der Geschichte umweht. Ein handwerklich ligran gearbeitetes Relief zeigt, wie Anton Fugger im Beisein Karls V. dessen Schuldscheine verbrennt. Mit mehreren hunderttausend Gulden hatte die reiche Bankiersfamilie die deutschen Kurfürsten bestochen, damit sie Karl und nicht den Franzosen Franz I. am 28. Juni 1519 zum Kaiser wählten.
Während die Bestechung als historisch gesichert gilt (und auch erfolgreich war), ist die Vernichtung
der Schuldscheine womöglich nur eine Legende. Irgendwie passt es nicht zu den geschäftstüchtigen Fuggern.

Die Ofen-Odyssee

Beinahe noch abenteuerlicher als diese welthistorische Episode mutet jedoch die Odyssee an, die der Kachelofen selbst schon hinter sich hat. Stück für Stück nämlich hat Gastwirt Hans-Willi Poensgen den kunstvollen, 3,30 Meter hohen Koloss bereits zum zweiten Mal von einer Fachrma aufbauen lassen. Das erste Mal – vor über 30 Jahren – ließ er ihn im Stadthallen-Restaurant errichten. Damals lagen die durchnummerierten Einzelteile im Stadtmuseum, wo sie der damalige Stadtdirektor Dr. Alfred Dahlmann deponiert hatte. Der leidenschaftliche Stadthistoriker hatte den Ofen aus der Villa Koch auf dem Calor-Emag-Gelände kurz vor deren Abriss gerettet. Er erkannte gleich den besonderen Wert des Kunstwerks.

Verschollen in Frankreich?

Dahlmanns Sachverstand scheint sich nun doppelt zu bewahrheiten. Auf einer Auktion im Internet nämlich den sich Hinweise, dass es sich bei dem Ratinger Ofen um das letzte Exemplar einer Dreiergruppe handelt, die um 1890 von der Manufaktur Carl Schulze in Oranienburg angefertigt wurde. Zwei baugleiche Eck-Öfen, die ebenfalls das handgemalte Fugger- Motiv zeigen, stehen heute in Berlin. Der dritte soll in Frankreich verschollen sein. Hat er etwa auf verschlungenen Pfaden den Weg nach Ratingen gefunden? Wie es auch immer war, im Ratinger Brauhaus ist das schöne Stück jedenfalls genau am richtigen Ort gelandet. Waren doch die Fugger schon vor 500 Jahren auch im Biergeschäft tätig.

Darauf ein Ratinger Alt!

So darf man getrost beim nächsten Besuch im Ratinger Brauhaus nicht nur auf die allerneuesten Histörchen, sondern auch auf die ganz alte Geschichte anstoßen. Denn von ihr erzählt der so schöne wie schweigsame Kachelofen auf seine ganz eigene Weise.